Beth Dito und der Werbemüll

Gossip mal Live sehen. Stand jetzt ziemlich lange auf meiner Liste. Da es die Band nicht mehr gibt, wohl etwas zu lange. Aber ein Glück gibt es Beth Dito pur und das heute und das auch noch in Wien. In der Arena. Eine echt coole Location, welcher ich in den letzten Jahren zu wenig Bedeutung geschenkt habe.

Mein Skianzug und ich betreten das Gelände. Die Freunde sind auch schon da und weil ich doch einiges zum Ablegen habe, gehe ich schon mal vor. An der Garderobe läuft alles wie geschmiert. Statt zu zahlen, spendet man freiwillig. Mit dem guten Gefühl in einer heilen Welt zu leben, wo jeder das bekommt was er verdient, bewege ich mich sanften Mutes in die familiäre Räumlichkeit. Diese ist angenehm gefüllt, die Vorband schon weg und ein lauschiges Plätzchen dritte-Reihe-voll-frontal-Mitte wartet nur auf mich und böte sogar Platz für meine Freunde. Große Jungs hinter mir, schwere daneben und die Mädels davor einen Kopf kleiner. Läuft. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, ein paar erfolglosen Versuchen die echten Freunde zu mir zu lotsen und einem Schluck Walnußlimo, bin ich vollends akklimatisiert und die Show kann beginnen. Tut sie dann auch.

Äußerst entzückend erscheint Frau Dito auf der Bühne und mir und meinen neuen Konzertfreunden stockt der Atem. Wir halten uns sogar die Hand aufs Herz und wahrscheinlich hatte ich ein paar Tränen in den Augen. Die meisten Nummern kenne ich nicht, gefallen mir aber gut. Bisschen Disco. Bisschen Ballade. Bisschen Rock. Besser kann ich das wirklich nicht beschreiben. Ich kenne keine Songtitel und mich prinzipiell nicht aus. Eigentlich kann ich nur selbst wahnsinnig gut singen. Ich warte einfach auf die Rezension, die meinen Gefühlen am ehesten entspricht und werde diese dann zitieren.

Das einzige, was ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist das Beth nach dem dritten Lied ein Fangeschenk bekommen hat. Irgendwie ein Kleid. Irgendwie aber eher kompliziert in der Handhabung und für ein schnelles Überwerfen ziemlich ungeeignet. Beth macht einen Schal draus und trägt diesen für die nächsten zwei Songs. Nach einer Stunde ist der erste Abgang und als sie zur Zugabe wieder rauskommt, trägt sie das neue Kleid. Und obwohl es zur Gänze aus braunen Batikelementen besteht, schaut es richtig gut aus. Mega um genau zu sein. Das hat mich in vielerlei Hinsicht echt berührt. Erstmal, dass sie es noch auf dem Konzert auf der Bühne trägt. Das muss für „den Schenker“ eine große Freude gewesen sein. Voll schön und ich habe schon wieder feuchte Augen. Und dann fasziniert mich die Tatsache, dass die Person ihr ein Kleid schenkt. Ich mein, da brauchen wir nicht groß rumreden. Bei einem Kleid für Beth Dito muss schon einiges perfekt geschnitten und durchdacht sein, sodass es gut sitzt.

Meiner einer hätte da eher Socken auf die Bühne geschmissen!

Wie auf den Leib geschneidert! Und es sah immer besser aus, je länger ich hinschaute. Der Kragen war da sehr ausschlaggebend. Der war nach hinten auf den Dutt gelegt eine Kapuze und ergoss sich beim runter nehmen wasserfallartig in ihr Dekolleté. Bei hitzigeren Songs glitt das Ganze dann ein wenig abwärts und zeigte äußerst reizvoll ihren verdammt gut sitzenden BH. Nee. Echt toll. Hut ab. Schönes Geschenk.

Natürlich hatte ich auch bei diesem Konzert einen Geistesblitz. Einige sogar. Das mag ich bei musikalischen Veranstaltungen dieser Art besonders. Dieses unerwartete Troubleshooting, während man ja eigentlich nur in die Musik abdriften sollte.

Zum einem habe ich eine Lösung für mein kreatives Chaos gefunden. Geistig wie räumlich. Was die Wohnung betrifft, werde ich morgen alles in Säcke werfen, diese mithilfe eines Seilsystems an die Decke hochziehen und bei Bedarf wieder runter lassen. Wie ein Minenarbeiter. Da gibt es dann den Flohmarkt-Sack, den Stoffe-Sack, den Eco-Warrior-Collection-Sack und den-leere-Gläser-Sack. All diese Dinge breiten sich in meiner Wohnung wie ein Geschwür aus und nehmen mir die Luft zum Telenovela schauen.
Das andere Problem ist meine Ideensammlung und mein Unvermögen auch nur irgendwas davon in die Tat umzusetzen. Gut. Vielleicht könnte die Welt auf Dokumentationen wie Teppiche im Hotel verzichten. Vielleicht. Aber das ein oder andere könnte echtes Potenzial haben und sollte zum Leben erweckt werden. Wie zum Beispiel der Werbe(Müll)Eimer.

Nun ja. Das Konzert ist zu Ende und ich sehr froh eine Mussichmalmachen Sache gemacht zu haben. Glücks trunken warte ich auf die U-Bahn und checke auf Willhaben nach Seilen für mein neues Ordnungssystem.

2 Kommentare

  1. Danny

    Haase! Danke!
    Ich hab grad so gelacht!
    Mein Tag war heute echt nicht einer der Besten – aber du hast ihn gerade gerettet!
    😙😙😙

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    1. admin (Beitrag Autor)

      Oh Mann! Die Kommentarbenachrichtigung habe ich gerade zufällig im Spam gefunden. Nun hast du meinen Tag gerettet:-)

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