beSchenkt…mach es richtig oder lass es lieber bleiben

Heute werde ich etwas tun, was allgemeinhin
als eher unhöflich erachtet wird.

Ich werde das Geschenk eines guten Freundes nicht annehmen. Und ich werde ihm sagen, dass ich mich überhaupt nicht darüber gefreut habe.

Es ist ein Buch. Und ich mag Bücher – sehr sogar. Auch als Geschenk. Aber bitte nur dann, wenn man weiß was mir gefallen könnte. Der „Wiener Witz“, ein sogenannter Schmähführer, gehört eindeutig nicht dazu. Ich mag Mundart weder in Textnachrichten, noch in geballter Form auf 200 Seiten.

Dieses Manifest der Wiener Verbalitäten ist so offensichtlich nebenbei gekauft worden. Weil halt Weihnachten ist und irgendwas muss man doch mitbringen. Oder? „Nein, muss man nicht“, würde einer meiner Lieblingsbands nun schreien. Und wenn ich es dem Kumpel nicht zurückgebe, bliebe es mal wieder an mir hängen, das unliebsame Ding nachhaltig zu entsorgen. In digitalen Zeiten von E-Book und Tablet nicht wirklich einfach. Weiterschenken geht auch gar nicht. Ich habe es nicht in mir, ungeschätze Gaben hinterhältig an den Mann zu bringen. Kennt man ja. Diese Wandergeschenke. Und irgendwann hält man es wieder in Händen. Nein, nein, nein. Das Buch geht zurück an den Besitzer. Ist ja auch wichtig, dass er weiß, dass da beim nächsten Mal mehr Einsatz gefragt ist.
„Bist du nicht ein bisschen undankbar?“, fragt eine Freundin, die mir zum Glück nichts geschenkt hat. „War doch sicher nur gut gemeint.“

Natürlich verstehe ich die Geste einer nett gemeinten Aufmerksamkeit. Aber um jemanden hie und da mal zu zeigen, dass man ihn mag, eignen sich eher Blumentöpfe, Alkohol oder ein „Besteckset To Go“.

Ein echtes Geschenk sollte mich umhauen. Richtig umhauen! Ein kurzer Schnappatmer und bisschen Tränen in den Augen.

Ich habe keine Lust, die Form zu wahren. Ich habe vielmehr Lust, Geschenke zu erhalten, in welchen sich widerspiegelt, dass sich da jemand Gedanken und/oder Mühe gemacht hat, mich ernsthaft zu berühren.

Ob das nun gekauft oder gebastelt ist, spielt keine Rolle. Was allerdings nicht heißen soll, dass alles Selbstgemachte gut ist. Auch da habe ich schon Schlimmes erlebt. Dieses „Wiener Witz“- Buch ist eine Ansammlung höchst unwitziger Redewendungen. Bei dem Versuch, zumindest eine gute für diesen Text zu zitieren, bin ich kläglich gescheitert. Daher werde ich diesem Freund „mit´m nockatn Oasch ins Gsicht foahrn“ und erkläre den Versuch, mir eine Freude zu machen, als gescheitert. Tut leid.

Ein liebevolles Paket, wie ich es seit Jahren von einer Freundin zugeschickt bekomme, sowas nehme ich gerne an. Das ist so bedacht, dass sie heuer den Großteil ihrer brav gesammelten Verpackungsmaterialen ALLE in mein Paket gestopft hat. Weil „ich mir bei dir sicher sein kann, dass du es wieder benutzt. Deshalb kann ich es endlich ohne schlechtem Gewissen verwenden“.

Ist das nicht schön? Irgendwie?

In jedem Fall wahnsinnig rührend. Geweint habe ich dann allerdings doch aus Verzweiflung, weil ich schon lange nicht mehr so viel Plastikscheiß in meiner Wohnung hatte und der Anblick mein kleines „Zero Waste“ – Herz doch sehr erschüttert hat.
Viel selbstgemachtes, ein wunderschönes Gedicht und ein altes Weckglas haben alles wieder gutgemacht. Auch wenn es das vierundzwanzigste Weckglas dieser Art ist. Das neue ist speziell. Es wurde mit einem Deckelgriff verziert und kleinste Kinderhände haben dabei geholfen: Kinderarbeit ganz nach meinem Geschmack!

So muss Schenken. Gerade jetzt. Zum „Fest der Liebe“.
Aber weil das gerade zu Weihnachten schon viele nicht mehr machen, verweigere ich bereits seit Jahren die Konsumnummer von „Sankt Wirtschaftskammer und heiliger Industrie“. Der WKÖ Obmann erklärte Mitte Dezember:

„Der Kalender bremst das Christkind heuer möglicherweise ein bissl aus“

Das ist traurig und gehört geändert. Finde ich. Wie wäre es, wenn wir in den Jahren, in welchen Heiligabend auf den unwirtschaftlichen Sonntag fällt, diesen einfach um einen Tag verschieben? Weiß doch eh keiner so genau, wann das Kind geboren wurde.

Weihnachtsgeschenke sind bei mir schon seit Jahren gestrichen.

Erst, wenn dieses Fest wieder das ist – was es sein sollte-  ein Hoch auf die Familie, des Zusammenseins und der Nächstenliebe. Wenn man sich die Mühe macht, alles mit Liebe zu schenken, wenn alle wieder richtig Lust auf dieses Gedöns haben und man auch an die denkt, die gar nichts haben, dann bin ich wieder mit dabei!

In diesem Sinne, auf ein Neues!

Virenfrei. www.avast.com

2 Kommentare

  1. ecki

    cool story!

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    1. admin (Beitrag Autor)

      Danke schön:-)

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